Meine neue alte Handynummer (0162 802****) ist ab jetzt wieder gültig!
Mit ein bisschen Glück und ein bisschen Internet könnt ihr mich aber auch über Skype erreichen (metal_thrashin_bensch)!
...与 这 是 最后 戏弄
Morgen werde ich zurück sein. Und genau wie ich mich vor über zwei Monaten von der guten Heimat verabschiedet habe, so
wird es bald durch die Gassen des schönen Deutschlands erschallen: Hallöchen Würstchen mit Senf, hallöchen saubere Luft und hallöchen genießbares Bier! Hurra!
Doch bevor es soweit ist, sollte ich die Chance wahrnehmen und eine kleine Zusammenfassung meiner Erfahrungen
niederschreiben.
1. das Essen. Es wird mir fehlen. Nicht nur die unglaubliche Vielfalt, der günstige Preis und der (meist) fantastische Geschmack sind Gründe dafür. Auch dass man so viele neue Sachen probieren
kann, ist unglaublich aufregend. Meeresfrüchte, exotische Gewürze und skurrile Kompositionen. Aber ich vermisse auch viele Lebensmittel von zu Hause, ohne die ich nicht auskommen möchte!
Übrigens: Das Essen vom Chinamann in Deutschland hat rein gar nichts, aber auch absolut nicht das geringste mit chinesischem Essen zu tun.
2. die übertriebene Aufmerksamkeit. Die kleinen Mädchen kicherten und winkten, die größeren bekamen kaum ein Wort heraus und die Mütter umsorgten mich großzügig. In diesem Maße ist mir das noch
nie widerfahren. Natürlich habe ich es genossen. Aber es ist auch anstrengend. Ich freue mich sehr darauf, dass ich in Deutschland endlich essen kann, ohne dass mir jeder dabei zusieht, wie ich
mit einem mir fremden Essbesteck herumexperimentiere.
3. das Land und seine Kultur. Das alles ist sehr spannend und es gibt wirklich unfassbar viele Dinge zu sehen, zu tun und zu erfahren. Alles ist anders. Ich hätte mir gern noch mehr angesehen,
und vor allem um Tibet und Yunnan tut es mir leid. Aber ich habe mir versprochen das nachzuholen!
4. die Geschäftsessen. Ich halte das für eine hervorragende Erfindung. Man trifft sich unter Kollegen und lässt sich volllaufen. Ich war schon immer der Überzeugung, dass einmal zusammen
betrunken sein genau so effektiv ist wie vier Wochen herkömmliches Kennenlernen. Außerdem ziehen hier alle mit. Hier muss keiner fahren oder hat sonst irgendwelche niederen Ausflüchte. Hier wird
gezecht bis nichts mehr reinpasst. Fertig. Absolutes Highlight war dabei natürlich mein Abschiedsabend. Da werden Geschichten geschrieben, die man sich unter Männern immer wieder gern
erzählt.
5. die Mei-You-Metalität. Das ist eine der schlimmsten Ausprägungen chinesischer Mentalität. Egal was man will und wie und warum. Es geht erstmal nicht. Man braucht so unglaublich viel Geduld
(und vor allem auch Beherrschung). Noch schlimmer, wenn man sich nicht versteht. Und das ist gleich das nächste.
6. die Kommunikation. Selten bin ich in meinem Leben vor so eine organisatorische Herausforderung gestellt worden. In Xi’an ganz allein ein Zugticket kaufen. Nirgends Englisch. Nicht einmal
Schrift. Nur Zeichen. Und derer beherrsche ich ungefähr zehn. Ich fühle mich selten hilflos oder weiß nicht weiter. Aber da war es soweit. Aber das war vermutlich eine der wichtigsten
Erfahrungen. Denn wenn man sich dort zurechtfinden kann, gibt es dann überhaupt noch zivilisierte Orte auf der Welt an denen man das nicht schafft?
7. meine Kollegen und meine Arbeit. Ich habe mich selten in einer Abteilung so wohlgefühlt. Nahezu alle meine Kollegen waren wirklich nett, hilfsbereit und bemüht, mir meinen Aufenthalt so
angenehm wie möglich zu machen. Der interessierte Yang Tao, der hilfsbereite Mr. Zhou, die singende Ms. Liu, die aufgedrehte Chen Bo Yu, die fröhliche Yin Yu aus Beijing und noch einige mehr.
Nicht zu vergessen natürlich auch mein Chef aus Zhuzhou, mit dem ich so einige witzige Sachen erlebt habe. Ich weiß nicht wie oft ich schon versprechen musste, wieder zu kommen…! Auch die Arbeit
wird mir fehlen. Es war sehr spannend, am Aufbau unseres Joint-Ventures mitzuhelfen. Und wie bei allen Sachen, in die man eigene Kreativität gesteckt hat, fällt das Loslassen schwer. Ich würde es
gern noch erleben, wenn nächstes Jahr die Produktion anläuft und die Halle fertig ist. Naja, dann eben nicht.
8. die Propaganda. Überall. Super-China! Olympia-TV den ganzen Tag lang. Strahlende Gewinner und hinter jedem Bild die Botschaft: "Die Kommunistische Partei ist dein Freund." Die kostenlose
Zeitschrift "China Daily" liest sich wie ein Satire-Blatt. Besonders zu empfehlen sind vor allem Artikel über Taiwan, Dalai Lama, Korruption, Milchskandal und chinesische Außenpolitik.
9. die Hilfsbereitschaft. Scheint offensichtlich im Widerspruch mit der Mei-You-Mentalität zu stehen. Tut es aber nicht. Denn Hilfsbereitschaft bedeutet hier, dass ich wirklich HILFE brauchte und
nicht einfach nur irgendwas wollte. Bevor ich mit dem Zug nach Guilin fuhr, musste ich mein Ticket im Reisebüro abholen. Ich hätte dieses Reisebüro (das im hintersten Teil des hintersten
Hinterhofes einer 4,5 Millionen-Einwohner-Stadt lag) nie gefunden, wenn mich nicht zwei Kolleginnen (die ich gerade erst kennengelernt hatte) am Freitag nach Feierabend durch ganz Changsha
geleitet hätten. Das meine ich damit.
10. die Chinesen. Ich fühle mich immer noch fremd. Und ich glaube auch, dass sich das nicht ändern würde. Aber ich habe viel gesehen, erfahren und verstanden. Und auch, wenn ich ihnen immer noch
fremd sein mag, sie sind es mir inzwischen sehr viel weniger.
So. Ich denke es ist alles gesagt. Eins noch: Vielen Dank an alle, die sich hier regelmäßig meine Niederschriften
zugemutet haben! Vielen Dank auch für die lieben Kommentare und euer Interesse! Seid euch aber bewusst, dass all dies meine Eindrücke dieses Landes, der Menschen und der Kultur sind. Es ist sehr
kompliziert, so etwas wiederzugeben und am Ende sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Ich hatte eine tolle Zeit und würde jedem von euch, der die Gelegenheit dazu bekommt, gut zureden.
Denn wie schon mein Vertriebsleiter aus Deutschland zu mir sagte: "Die sollen die Jungs nach China schicken! Da liegt die Zukunft!"
Vielen Dank.