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豫园
Sonntag, 11Uhr. Die Nacht war entspannend. Vom kostenlosen Frühstück habe ich in unverschämt großem Maße profitert. Es blieben mir noch lächerliche sechs Stunden in Shanghai, bevor mein Zug sich unbarmherzig auf den Heimweg gen Zhuzhou machen würde. Ich beschloss, die Huaihai Road abzulaufen. Dort kann man shoppen, klar. Aber es gibt noch mehr. Denn obwohl die Kommunisten die chinesischen Stadtbilder mit Bulldozer und Glas überall umgestaltet und dabei herzlich wenig Respekt für Bauwerke historischer Bedeutung gezeigt haben, kann man in Shanghai noch die Überreste der kolonialen Vergangheit Chinas besichtigen. Ganze Viertel mit europäischem Gesicht waren Ende des 19. Jahrhunderts und bis zur Gründung der Volksrepublik 1949 in den Städten entstanden. Der Handelsplatz und Sündenpfuhl Shanghai hatte dabei seit jeher eine herausragende Stellung. Von dieser kolonialen Architektur sind hier noch einzelne Exemplare zu sehen, auch wenn man von europäischen Vierteln nicht mehr wirklich sprechen kann.
Schließlich besuchte ich die Shanghaier Altstadt, die während der Kolonialzeit das innerstädtische Reservat für die chinesische Bevölkerung gewesen war. Die über 500 Jahre alten Gebäude dienen heute größtenteils als Umschlagplatz für das übliche Touristen-Einmaleins: Uhren, Taschen und massenhaft produzierten Souvenir-Ramsch. Dazwischen findet sich allerdings doch noch ein ganz erstaunliches Plätzchen. Die Yuyuan, oder Yu Gardens, sind ein malerisches Areal chinesischer Kultur und Natur. Mitten in der Stadt. Ein wirklich toller Ort. Vor allem für jene mit Kamera bewaffete Mega-Nerds, die jeden Stein von jeder Seite fotografieren. Ich hätte mich an diesem bezaubernden Ort gerne länger aufgehalten, doch der Zug hätte vermutlich nicht gewartet. Deshalb machte ich mich auf zum Bahnhof und lies das wunderbare Shanghai hinter mir. 30 Stunden hatte ich hier verbracht. Lächerlich. Aber ich war da.