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Samstag, 22. november 2008 6 22 /11 /2008 13:37

男子 不含 脸面

 

Seit ich in Zhuzhou angefangen habe, nehme ich regelmäßig an Vertragsverhandlungen teil. Denn weil unser Joint-Venture im Moment gerade erst aufgebaut wird, muss allerhand Equipment eingekauft und Material bestellt werden. Das Ganze läuft so ab, dass wir einen Standardvertrag vorlegen und dann mit dem Lieferanten jeden einzelnen Punkt besprechen. Hat man sich dann auf die Rahmenbedingungen einigen können, geht es an die Preisverhandlung. Das kann schon mal eine Weile dauern. In der Regel so 4 bis 7 Stunden. Da dabei hauptsächlich Chinesisch gesprochen wird, ist der Unterhaltungswert für mich natürlich denkbar gering. Ich kann mich nur am Vertragswerk (das ich inzwischen fast auswendig beherrsche) oder an den gelegentlichen Übersetzungen von Ms. Liu orientieren. Aller halbe Stunde fragt mich mal jemand nach meiner Meinung, was nur in den seltensten Fällen eine Erleuchtung für die Verhandelnden zur Folge hat... Aber immerhin darf ich dann auch mal meinen Senf dazugeben. Schließlich bin ich ja der "Commercial Engineer" (so werde ich nämlich immer vorgestellt). Unglaublich, dass ich es geschafft habe, sieben Wochen lang mein niederes Auszubildenden-Dasein zu verheimlichen.

 

Die letzten Verhandlung waren die bisher heftigsten. Sie dauerten schon drei Tage und am Freitag gegen 17Uhr war immer noch kein Ende in Sicht. Ich hatte mich schon resignierend von meinem Feierabend verabschiedet, doch da wurde ich zum ersten Mal Zeuge dessen, was ein jeder Chinese am meisten fürchtet: Gesichtsverlust. Unser Lieferant hatte etwas behauptet, was sich schließlich als glatter Schwindel herausstellte. Nun blieb ihm nichts anderes übrig, als in allen offenen Punkten unsere Forderungen zu akzeptieren. Ich war zunächst noch fest überzeugt, irgendjemand hätte meine stummen Schreie nach Feierabend vernommen und ein Wunder bewirkt (ich hatte ja keine Ahnung was passiert war). Aber schließlich erklärte mir Yang Tao hochzufrieden und mit Siegergrinsen im Gesicht die Geschehnisse. Vorsichtig formuliert würde ich es so ausdrücken: Der Tag unseres Lieferanten war erstmal schön im Arsch.

 

Tja, blöd für ihn, gut für mich. Denn ich konnte mich endlich verdrücken. Ich hatte beschlossen, in die Stadt zu fahren, schließlich brauche ich ja eine Jacke. Die Busfahrt war der Wahnsinn. Ich bin noch nie in so einem Schrotthaufen von Bus mitgefahren! Kein Wunder, dass wir ein Klimaproblem haben, wenn noch solche Kisten draußen rum fahren. Ich hatte den Eindruck, der hat auf der 10km-Strecke ein ganzes Ölfeld an Benzin verbraucht. Das allerbeste war aber, dass er nicht an den Bushaltestellen anhielt, sondern da, wo ihm der Motor ausging. Nun ja, sehr unterhaltsam.

Was meine Jacke angeht, so hat es der ein oder andere vielleicht schon befürchtet: ich habe keine. Nachdem ich auf der Suche nach einem geeigneten Geschäft eine Stunde lang durch Zhuzhou gelaufen war, war die Stadt plötzlich zuende. Ich nahm ein Taxi und beschloss, mich nächste Woche in Shanghai mal umzusehen... So weit, so gut.

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